Mikroplastik im ewigen Eis: Was eine Analyse über Österreichs Gletscherseen verrät
Eine Greenpeace-Analyse hat erstmals Mikroplastik in Österreichs Gletscherseen nachgewiesen , in allen vier untersuchten Gletschern. Ein nüchterner Blick auf einen Ort, den wir für unberührt hielten.
Es gibt Orte, die wir instinktiv für unberührt halten. Ein Gletschersee hoch oben in den Alpen, gespeist vom schmelzenden Eis, gehört für mich ganz selbstverständlich dazu. Genau deshalb hat mich eine Analyse von Greenpeace nicht mehr losgelassen: Erstmals wurde in österreichischen Gletscherseen Mikroplastik nachgewiesen. Ausgerechnet dort, wo man es am wenigsten vermutet.
Vier Gletscher, ein Befund
Im Sommer 2024 entnahm Greenpeace Wasserproben aus vier Gletscherseen: dem Schlatenkees in der Venedigergruppe in Tirol, dem Schmiedingerkees am Kitzsteinhorn in Salzburg, dem Hallstätter Gletscher am Dachstein in Oberösterreich und der Pasterze am Großglockner in Kärnten. In allen vier Proben fand sich Mikroplastik. Es war also kein Ausreißer, kein einzelner belasteter See, sondern ein durchgängiges Muster.
Was genau gefunden wurde
Insgesamt wiesen die Fachleute dreizehn verschiedene Kunststoffarten nach. Am stärksten belastet war der Schlatenkees mit 5,6 künstlichen Fasern und Partikeln pro Liter. Die Auswertung selbst erfolgte an der Universität Exeter und wurde 2025 veröffentlicht. Es sind nüchterne Zahlen, aber sie erzählen eine unbequeme Geschichte über die Reichweite unseres Plastikverbrauchs.

Warum das Eis nicht das Ende ist
Besonders beunruhigend finde ich, was danach passiert. Mit der Gletscherschmelze gelangt das eingelagerte Mikroplastik nicht ins Nichts, sondern zurück in den Wasserkreislauf – in Bäche, Flüsse und letztlich in unser Trinkwasser. Der Gletscher, den wir als stillen Wasserspeicher schätzen, gibt damit auch etwas ab, das dort nie hingehört hätte.
Die Forderungen dahinter
Greenpeace verbindet die Analyse mit klaren Forderungen: strenge Schutzmaßnahmen für die Gletscher und ein Verbot neuer Bauprojekte auf den empfindlichen Eisflächen. Man muss nicht jeder Kampagne folgen, um zu erkennen, dass diese Räume eine besondere Behutsamkeit verdienen. Sie regenerieren sich nicht in menschlichen Zeiträumen, wenn sie einmal beschädigt sind.
Mein Blick auf die Berge
Ich schreibe über Natur, weil ich glaube, dass genaues Hinsehen der erste Schritt zum Schutz ist. Diese Analyse hat meinen Blick auf die Alpen verändert: Das ewige Eis ist eben doch nicht so abgeschieden, wie die Postkarten es zeigen. Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieser Zahlen – dass es keinen Ort mehr gibt, der wirklich weit genug weg ist von uns.





